Strategie

7 konkrete Ideen, wie Österreich das Comeback als Startup-Hotspot schafft

v.l: Michael Kowatschew (Gründer Heizma), Hannah Wundsam (Co-Managing Director Austrian Startups), Julia Reilinger (Managing Director B&C Innovation Investments) und Michael Tojner (Unternehmer und Investor). © Sabine Klimpt, Reiter PR
v.l: Michael Kowatschew (Gründer Heizma), Hannah Wundsam (Co-Managing Director Austrian Startups), Julia Reilinger (Managing Director B&C Innovation Investments) und Michael Tojner (Unternehmer und Investor). © Sabine Klimpt, Reiter PR
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Österreich steht im dritten Jahr in Folge vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Europaweit belasten neue Zölle und globale Unsicherheiten die Konjunktur. Auch im Inland spitzt sich die Lage zu: Wo drückt der Schuh in der heimischen Wirtschaft? Und was braucht es, damit Österreich als Innovations- und Startup-Hotspot wieder durchstarten kann?

Diese Fragen behandelten Unternehmer Michael Tojner (Forschungsinitiative eXplore!), Julia Reilinger (B&C Innovation Investments), Hannah Wundsam (Austrian Startups) und Startup-Gründer Michael Kowatschew (Heizma) im Rahmen eines von eXplore! organisierten Pressegesprächs im WU Gründungszentrum.

„Kapitalmärkte endlich in Bewegung setzen“

Auf die Frage, wie wieder mehr Unternehmertum in Österreich kultiviert und wie mehr Kapital mobilisiert werden kann, antwortet Tojner, dass die nächsten zwei bis drei Jahre zwar wirtschaftlich herausfordernd sein werden – doch er sehe auch Chancen. Die Förderung des österreichischen und deutschen Kapitalmarkts sei dabei ein Schlüssel zum Erfolg.
Der Investor schlägt ein steuerliches Anreizmodell vor, das es Investor:innen erleichtern soll, Kapital über die Börse bereitzustellen. Kapitalerhöhungen sollten dabei über das direkte Investieren in Unternehmen erfolgen – nicht bloß durch den Kauf bestehender Aktien.

Tojner skizziert: Wenn eine Privatperson in Österreich über die Wiener Börse oder in Venture Capital investiert, also neues Kapital zur Verfügung stellt, sollte sie bis zu 20.000 Euro dieses Investments steuerlich abschreiben können. Dies sei ein schneller und günstiger Hebel, um Unternehmertum zu stärken und den Kapitalmarkt als Standortfaktor in Österreich und Europa endlich zu fördern.

„Ich bin ein Freund von einfachen Lösungen. In Polen wurden schon vor zehn Jahren Anreize für das Pensionssystem gesetzt – als Initialzündung für den Kapitalmarkt. Kurz darauf waren einige österreichische Firmen an der polnischen Börse“, so der Unternehmer.

Investitionsfreibetrag nach UK-Vorbild für Österreich

Wundsam betonte, dass es grundsätzlich genügend Kapital in Österreich gibt, doch dieses müsse aktiviert werden. Es sei nicht die Norm, dass Stiftungen wie beispielsweise B&C Innovation Investments in Startups investieren. Daher könnte ein Investitionsfreibetrag – sowohl für private als auch für institutionelle Investor:innen – nach dem Vorbild des Vereinigten Königreichs eine schnelle Möglichkeit sein, mehr Kapital für Startups zu mobilisieren.

Das Seed Enterprise Investment Scheme (SEIS) aus dem Vereinigten Königreich bietet steuerliche Vorteile für Investoren, die in junge Unternehmen investieren. Diese können 50 Prozent der investierten Summe von ihrer Einkommensteuer abziehen. Darüber hinaus sind Kapitalerträge aus diesen Investitionen von der Kapitalertragsteuer befreit. Dieses Modell könnte als Vorlage dienen, um auch in Österreich ähnliche Anreize zu schaffen.

Auch Reilinger sieht in SEIS ein einfach anwendbares Konzept für Österreich. „Wichtig ist, dass Investor:innen genau wissen, in was sie investieren, was mit ihrem Geld passiert und wie sie es wieder herausbekommen – inklusive der Steuerregelungen“, so die Investorin. Das schaffe Sicherheit. Es brauche „weniger bürokratische Hürden, dafür mehr positive Anreize, wie etwa Steuerfreibeträge.“

Lücken in der Startup-Wachstumsphase schließen

„Es geht darum, unterschiedliche Disziplinen zu vereinen, aber auch Kapitalquellen und Unternehmensphasen zu verstehen. Es ist wichtig, zu erkennen, wie man von einer Stufe in die nächste kommt. Und wenn man in dem Zwischenbereich eine Lücke hat – etwa beim Zugang zu größeren Finanzierungsvolumen – dann kommt man nicht weiter“, so Reilinger, Managing Director bei B&C Innovation Investments.

Für die Investorin funktioniere die Startup-Finanzierung in frühen Phasen meist gut – durch Förderungen und privates Kapital. Schwieriger werde es dann, wenn es um Wachstum, Skalierung oder Exits geht. Deshalb sei hier zum Beispiel der Übergang von der Forschung zu einem marktfähigen Produkt essenziell – also die Förderung von Spin-offs. Die Privatstiftung B&C Innovation Investments habe deshalb einige Unternehmen im Portfolio, die ihren Ursprung in der Forschung haben.

Als sehr schönes Beispiel nennt sie den Verkauf der TTTech Auto an den Chip-Hersteller NXP. „Hier wurde ein europäisches Unternehmen von einem europäischen Technologieführer gekauft, um künftig noch weiter wachsen zu können.“ Ihr Appell: den Kapitalmarkt und die Investitionsbereitschaft in Europa weiter auszubauen.

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Bildung und Entrepreneurial Mindset schärfen

„Kapital ist nicht alles, was es braucht, um mehr Unternehmen entstehen zu lassen“, so Wundsam. Das unternehmerische Mindset müsse in Österreich viel früher gefördert werden, bereits in der Schule. Sie erwähnte die „Youth Entrepreneurship Week“, eine Initiative, die mittlerweile 150 Schulen in ganz Österreich umfasst, in denen Schüler:innen Ideen entwickeln, Prototypen bauen und Konzepte präsentieren. Dieses unternehmerische Denken müsse flächendeckend gefördert werden, um jungen Menschen unabhängig von ihrem Bildungshintergrund unternehmerische Tätigkeiten zu ermöglichen. Auch an Universitäten gebe es großes Potenzial, das noch stärker gefördert werden müsse.

Die WU und eXplore! haben zu diesem Zweck den Business Case Day ins Leben gerufen, einen Pitching-Wettbewerb für Studierende, bei dem praxisnahe Fallstudien präsentiert werden. In diesem Jahr liegt der Fokus auf den Branchen Luftfahrt, Energie und Chemie sowie Finanzwesen, mit einem besonderen Augenmerk auf ESG-Themen (Environmental, Social, and Governance).

Mehr Mut zum Gründen und Investitionen in Hochrisikoinnovationen

Kowatschew, der Gründer des Wiener Energy Tech-Startups Heizma, betonte, dass Europa den Mut entwickeln müsse, in Hochrisikoinnovationen zu investieren, um neue Technologien und Geschäftsmodelle voranzutreiben. Als Beispiele nannte er neue Batteriespeicher, Energiemanagement-Technologien und KI-Modelle. Er selbst gründete zum ersten Mal mit 18 Jahren – auch wenn das erste Business nicht sofort erfolgreich war, verbesserte sich sein Weg Schritt für Schritt mit jeder weiteren Gründung. Letztendlich sei ihm mit Heizma und der angebotenen Wärmepumpen-Lösung der Erfolg gelungen – und zwar bis Ende 2024 durch reines Bootstrapping.

Wichtig sei vor allem, die Energiewende – auch in Österreich – in den nächsten fünf bis zehn Jahren umzusetzen. Dafür brauche es langfristige Förderstrukturen, wie etwa die Förderaktion „Raus aus Öl und Gas“. „Erneuerbare Technologien sind längst da, jetzt brauchen wir vor allem Klarheit bei den Rahmenbedingungen, um den Markt nachhaltig zu stärken.“

Ein weiteres großes Problem sei die Regulierung der Windkraft. Der Aufwand, ein Windkraftwerk zu bauen, sei enorm, und die regulatorischen Prozesse seien langwierig. Kowatschew plädiert dafür, diese Prozesse zu deregulieren und einen klaren Plan für die nächsten fünf Jahre zu erstellen, um den Ausbau der Windkraft zu beschleunigen.

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Startup-Visa, Entrepreneurial PhD und Bankruptcy Bonus

Wundsam sieht in der aktuellen wirtschaftlichen Lage eine Chance für Europa, Spitzenforschung aus den USA nach Österreich zu holen. „Wir sollten die Spitzenunternehmer:innen und zukünftige Unternehmer:innen ansprechen und Rahmenbedingungen schaffen, die das attraktiv machen.“ Als besonders positives Beispiel nennt sie das französische Startup-Visum, mit dem Gründer:innen aus dem Ausland innerhalb einer Woche die Möglichkeit haben, mit ihrem Startup in Frankreich loszulegen.

Die Co-Managing Director bei Austrian Startups teilte außerdem eine vielversprechende Idee zur Förderung von Spin-offs, die im Rahmen des Europäischen Startup-Netzwerks (ESN) gemeinsam mit EU-Startup-Kommissarin Ekaterina Zaharieva diskutiert wurde: ein sogenannter Entrepreneurial PhD. Dabei würde die Option für Forscher:innen, ein Unternehmen zu gründen und unternehmerisch zu denken, noch attraktiver gestaltet.

Auch der „Bankruptcy Bonus“ wäre ein innovativer Ansatz: Er würde es Gründer:innen bei einer Neugründung ermöglichen, ihre erlittenen Verluste im Falle einer Insolvenz steuerlich geltend zu machen. So würden Anreize für eine erneute Unternehmensgründung geschaffen.

Industriestrategie: „Wir brauchen billige Energie in Europa“

Tojner äußerte sich abschließend noch zur von der Bundesregierung geplanten Industriestrategie. „Das ist relativ einfach, meine ich. Wir müssen die Rückkehr der Kernkraft nach Europa ermöglichen – auch nach Österreich und Deutschland. Am besten mit innovativen Lösungen aus den USA, wo die Sicherheitsbedenken mittlerweile gelöst wurden.“ Der Unternehmer plädiert für billige Energie in Europa, die er als wesentlichen Treiber für die Industrie beschreibt.

Zudem brauche es dringend die seit Jahren geforderte Senkung der Lohnnebenkosten. „Wir haben fast die höchsten Lohnkosten in Europa – die Deutschen schon knapp überholt und die Italiener sowieso.“ Ansonsten würden junge, gute Firmen anfangen, ihre Koffer zu packen und ihren Sitz ins Ausland zu verlegen.

Über die Forschungsinitiative eXPLORE!

Die private Initiative eXPLORE! wurde von der B&C Privatstiftung und Michael Tojner mit einem Budget von 11 Millionen Euro ins Leben gerufen. Sie zählt zu den größten privaten Forschungsinitiativen im österreichischen Hochschulsektor. Ihr aktueller Forschungsschwerpunkt liegt auf Projekten in Zusammenarbeit mit der WU und der TU Wien, etwa im Bereich Big Data und Künstliche Intelligenz. Die B&C Privatstiftung investiert vor allem in Scale-ups und Unternehmen mit hohem Innovationspotenzial.

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