Börsengang

Stablecoin-Macher Circle leitet IPO ein, kann Gewinne mit USDC vorzeigen

Jeremy Allaire, CEO von Circle. © Eóin Noonan/MoneyConf (CC BY 2.0 via Flickr)
Jeremy Allaire, CEO von Circle. © Eóin Noonan/MoneyConf (CC BY 2.0 via Flickr)
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Ein Stablecoin geht an die Wall Street: Die Circle Internet Group, Herausgeber des Stablecoins USDC, hat bei der US-Börsenaufsicht SEC ihren Antrag auf einen Börsengang (IPO) eingereicht. Das Unternehmen plant die Notierung seiner Class A-Aktien an der New York Stock Exchange unter dem Ticker-Symbol „CRCL“. Circle wollte bereits 2022 via SPAC an die Börse, das Vorhaben scheiterte damals aber.

Circle wollte 2022 eine Bewertung von 9 Milliarden Dollar abholen, diese wird es nicht mehr werden. Angepeilt wird derzeit Berichten zufolge eine Bewertung von etwa 5 Milliarden Dollar. Aktuell scheint sich das Zeitfenster für IPOs im Crypto- und FIntech-Bereich wieder zu öffnen. Vor kurzem kündigten eToro und Klarna ihre IPOs an, auch Revolut, Chime, Bitpanda oder Stripe gelten als aussichtsreiche Kandidaten (mehr dazu hier).

Geschäftsmodell: Digitale Dollars für eine neue Finanzinfrastruktur

Im Zentrum von Circles Geschäftsmodell steht USDC (USD Coin), ein sogenannter Payment-Stablecoin, der auf über 19 Blockchains nativ verfügbar ist und laut Prospekt weltweit mehr als 25 Billionen US-Dollar an Onchain-Transaktionsvolumen verarbeitet hat. Stand Ende 2024 waren 43,9 Milliarden USDC im Umlauf, verteilt auf 4,3 Millionen Wallets mit mindestens 10 USDC.

USDC ist vollständig durch liquide Reserven gedeckt – zu etwa 85 % durch den Circle Reserve Fund, ein exklusiv von BlackRock verwalteter Geldmarktfonds, und zu 15 % durch Bankguthaben bei weltweit tätigen Finanzinstituten wie BNY Mellon.

Circle bietet seine Infrastruktur primär institutionellen Kunden über das Produkt „Circle Mint“ an, mit dem Stablecoins direkt gegen Fiat-Währungen gemintet oder eingelöst werden können. Ende 2024 zählte das Unternehmen 1.819 institutionelle Kunden, darunter Kryptobörsen, FinTechs, Banken und Wallet-Anbieter.

Milliardenumsätze, Millionengewinne

Die Finanzkennzahlen von Circle zeigen eine starke Entwicklung seit 2020:

Jahr

Umsatz + Reserveeinkünfte

Nettogewinn/-verlust

Adjusted EBITDA

2020

$15,4 Mio

k. A.

k. A.

2021

$84,9 Mio

k. A.

k. A.

2022

$772 Mio

–$761 Mio

$96 Mio

2023

$1,45 Mrd

$271 Mio

$395 Mio

2024

$1,68 Mrd

$156,9 Mio

$285 Mio

Der Großteil des Umsatzes stammt aus Zinseinnahmen auf die USDC-Reserven – basierend auf dem geldpolitischen Umfeld (z. B. SOFR). Operativ erzielte Circle 2023 erstmals stabile Gewinne, nachdem es 2022 noch zu einem hohen Verlust durch eine geplatze SPAC-Fusion und Bewertungsabschreibungen gekommen war .

Märkte und Wachstumstreiber: Das Netzwerk hinter dem Stablecoin

Circle sieht sich nicht als klassische Finanzinstitution, sondern als Infrastrukturbetreiber eines „Internet-Finanzsystems“. Dazu zählen laut Prospekt:

  • Zahlungslösungen für Endkunden-Apps wie Mercado Libre, Coins.ph, Nubank, GCash oder Grab
  • Partnerschaften mit Zahlungsdienstleistern wie Visa, Stripe, Mastercard und MoneyGram
  • Entwickler-Ökosysteme: Über 11.000 Entwickler haben bereits mit „Circle Wallets“ gearbeitet
  • Tokenisierung von Fonds: Mit der Übernahme von Hashnote bringt Circle auch den USYC, einen tokenisierten Geldmarktfonds mit derzeit $1,6 Mrd. AUM, ins eigene Netzwerk ein

Konkurrenz: Der Stablecoin-Markt formiert sich

Im stark wachsenden Stablecoin-Sektor konkurriert Circle vor allem mit Tether (USDT), der mit rund 60 % Marktanteil führend ist. USDC hält laut CoinMarketCap einen Anteil von 24 % (Ende 2024) .

Weitere Wettbewerber sind:

  • PayPal USD (PYUSD)
  • First Digital USD (FDUSD)
  • MakerDAO (DAI), eine dezentralisierte Variante
  • Zunehmend auch klassische Finanzakteure, etwa Banken oder Fintechs wie Stripe mit eigenen Stablecoins

Ein struktureller Wettbewerbsfaktor sind außerdem verzinste digitale Vermögenswerte wie TMMFs, die im aktuellen Zinsumfeld gegenüber nicht verzinsten Stablecoins attraktiver wirken – vor allem im Trading.

Die Risiken: Regulation, Vertrauen, Technik

Das Börsenprospekt widmet dem Thema Risiken über 40 Seiten. Die wichtigsten Punkte:

  • Vertrauensverlust kann zu einem „Run“ auf USDC führen – etwa bei Problemen mit der Reserveverfügbarkeit
  • Regulatorische Unsicherheiten, besonders in den USA: Bislang gibt es kein Stablecoin-Gesetz, was dazu führen könnte, dass USDC als Wertpapier eingestuft wird
  • Technologieabhängigkeit von Drittanbietern, Blockchains, Börsen und Banken (z. B. BNY Mellon, BlackRock)
  • Störungen in Sekundärmärkten können Rücknahmen behindern
  • Zunehmende Konkurrenz durch regulierte Banken oder verzinste Token-Produkte

Circle betont aber auch, dass es weltweit eng mit Aufsichtsbehörden zusammenarbeitet, u. a. im Rahmen der EU-Verordnung MiCAR und durch regelmäßige Prüfberichte der Reserven.

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