CoreWeave-IPO soll deutlich kleiner als geplant ausfallen

Es ist so etwas wie der Lackmus-Test für den AI-Sektor: Der auf AI-Rechenzentren spezialiserte Cloud-Computing-Anbieter CoreWeave will ab heute, Donnerstag Abend seinen IPO durchführen, Aktien sollen voraussichtlich am Donnerstagabend US-Zeit zugeteilt werden, der Handelsbeginn ist für morgen Freitag geplant. Branchenbeobachter sehen den Börsengang nicht nur als wichtigen Indikator für den KI-Sektor, sondern auch für den IPO-Markt insgesamt, der sich seit geraumer Zeit in einer Flaute befindet.
Jedoch plant CoreWeave kurzfristig offenbar eine deutliche Reduzierung seiner angestrebten Bewertung für den bevorstehenden Börsengang. Wie aus informierten Kreisen gegenüber Semafor verlautet wurde, peilt das Unternehmen nun eine Bewertung näher an den 23 Milliarden Dollar an, die es bereits vor einem Jahr in einer privaten Finanzierungsrunde erreicht hatte. Ursprünglich hatte CoreWeave eine Bewertung von rund 30 Milliarden Dollar angestrebt und wollte bis zu 3 Milliarden Dollar einsammeln – auch diese Zielsumme könnte nun gesenkt werden, auf etwa 1,5 Milliarden Dollar.
Hohe Kundenkonzentration als Risikofaktor
Als problematisch gilt die starke Abhängigkeit CoreWeaves von wenigen Großkunden. Mit Microsoft allein erwirtschaftet das Unternehmen nach verfügbaren Daten rund 62 Prozent seines Umsatzes. Ein weiterer, nicht namentlich genannter Kunde steht für zusätzliche 15 Prozent des Geschäfts, sodass mehr als drei Viertel der Einnahmen von nur zwei Abnehmern stammen. Diese Konzentration stellt ein erhebliches Geschäftsrisiko dar.
Besonders beunruhigend für potenzielle Investoren: Es gab Berichte, wonach Microsoft bereits einige Dienstleistungen von CoreWeave aufgrund von Lieferproblemen und Verzögerungen eingestellt habe – was das Unternehmen allerdings dementiert hat. Zudem soll Microsoft eine Option im Wert von 12 Milliarden Dollar für zusätzliche Kapazitäten haben verstreichen lassen.
Stattdessen hat CoreWeave, ursprünglich eigentlich als Krypto-Mining-Firma, die eng mit Core Scientific verbandelt war, gegründet, OpenAI als Großkunden gewonnen. Das berühmteste AI-Startup der Welt plant in den nächsten fünf Jahren bis zu 11,9 Milliarden Dollar an Dienstleistungen bei CoreWeave zu beziehen. Darüber hinaus beteiligt sich OpenAI mit 350 Millionen Dollar an CoreWeave.
Hohe Verschuldung belastet Bilanz
Die finanzielle Situation des Unternehmens gibt ebenfalls Anlass zur Sorge. CoreWeave hat im Zuge seiner aggressiven Expansionsstrategie Schulden in Höhe von rund 8 Milliarden Dollar angehäuft. Diese wurden hauptsächlich aufgenommen, um die GPU-Kapazitäten zu erweitern, was zu einem negativen Cashflow von 6 Milliarden Dollar im Jahr 2024 führte – mehr als das Dreifache des Umsatzes.
Für 2025 wird sogar ein noch höherer negativer Cashflow von 15 Milliarden Dollar prognostiziert. Die erwarteten Einnahmen aus dem Börsengang werden daher wahrscheinlich nicht ausreichen, um den Finanzierungsbedarf zu decken, sodass weitere Schulden unvermeidlich erscheinen.
Vom Krypto-Miner zum KI-Infrastrukturanbieter
CoreWeave wurde 2017 ursprünglich als Krypto-Mining-Unternehmen gegründet und verfügte beim Aufkommen des KI-Booms über eine große Menge der begehrten Nvidia-GPUs, die zunächst für das Ethereum-Mining erworben worden waren. Nach dem Launch von ChatGPT Ende 2022 konnte das Unternehmen diese Hardware zu deutlich höheren Preisen an Unternehmen wie Meta, IBM und Microsoft vermieten, was zur strategischen Neuausrichtung führte.
Heute verfügt CoreWeave nach eigenen Angaben über mehr als 250.000 Nvidia-GPUs in 32 Rechenzentren in den USA und Europa. Nvidia selbst ist seit April 2023 mit einer Beteiligung von 6 Prozent (Investition: 100 Millionen Dollar) an CoreWeave beteiligt, was dem Unternehmen einen bevorzugten Kundenstatus einbrachte.