Holcim und neustark starten erste CO₂-Speicheranlage für Beton in Wien

Der international tätige Baustoffkonzern Holcim zählt zu den weltweit größten Zement-, Kies- und Betonherstellern. Gemeinsam mit dem Schweizer Startup neustark will man nun die Dekarbonisierung von Beton angehen. Dafür wurde eine neu entwickelte CO₂-Speicheranlage in Betrieb genommen – und zwar im 11. Bezirk in Wien.
Erste CO₂-Speicheranlage in Österreich
Es handelt sich um eine Innovation in der Bauwirtschaft: Mithilfe der Anlage des international ausgerichteten Startups neustark soll CO₂ dauerhaft im Betonmischwasser gespeichert und somit aus der Atmosphäre entfernt werden. Genau das ist auch die Vision von Johannes Tiefenthaler, Mitgründer und Co-CEO von neustark: schwer vermeidbares CO₂ in bestehenden Abfallströmen dauerhaft zu speichern.
Im März wurde die erste CO₂-Speicheranlage dieser Art in Österreich in Betrieb genommen – und zwar im Holcim Betonwerk Alberner Hafen in Wien.
„Produkt- und Verarbeitungsqualität des Betons bleibt erhalten“
Wie funktioniert dieser Prozess nun im Detail? Für den Karbonatisierungsprozess wird im Betonwerk das Misch- bzw. Waschwasser aus den Betonmischwagen gesammelt und in der Anlage mit biogenem CO₂ angereichert. Dieses reagiert anschließend mit den Zementphasen im Wasser und wird dabei in Kalkstein umgewandelt – das CO₂ wird somit dauerhaft gespeichert.
Gleichzeitig soll der Prozess das stark alkalische Wasser neutralisieren. Nach der Anreicherung kann es laut neustark wieder für die Betonherstellung verwendet werden – ohne Auswirkungen auf die Produkt- oder Verarbeitungsqualität.
Die Bauwirtschaft in der Verantwortung
„Die Bauwirtschaft steht in der dringenden Verantwortung, zu dekarbonisieren. Seitens Holcim setzen wir entlang unserer gesamten Wertschöpfungskette entsprechende Schritte und optimieren unsere Produktionsprozesse, investieren in moderne Anlagen, eigene Energieerzeugung und speichern letztlich auch CO₂“, so Haimo Primas, CEO Holcim (Österreich).
Der Konzern gibt an, bereits über eine „fast durchgängig elektrifizierte Wertschöpfungskette“ zu verfügen – und auch mit seinen CO₂-reduzierten Zementprodukten bereits den ökologischen Fußabdruck für sein Baustoff-Portfolio zu senken. Seit 2024 sind die Holcim-Betonwerke in Österreich nach dem Gold-Standard des Concrete Sustainability Council (CSC) zertifiziert. Der Standard soll sicherstellen, dass Projekte zur Reduktion oder Entfernung von CO₂-Emissionen ein Höchstmaß an Umweltverträglichkeit aufweisen und gleichzeitig zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.
Mit der CO₂-Speicheranlage von neustark möchte Holcim einen weiteren Meilenstein auf seiner Nachhaltigkeits-Roadmap erreicht haben. Die internationale Zusammenarbeit mit dem Schweizer Startup neustark wurde laut dem Unternehmen bereits 2023 gestartet.
neustark will zur Erreichung der Klimaziele beitragen
Tiefenthaler, Co-CEO von neustark, verrät, dass sein Startup bereits 31 Abscheidungs- und Speicheranlagen in Betrieb hat und damit bereits Tausende Tonnen CO₂ gespeichert wurden. „Dass wir nun eine erste CO₂-Speicheranlage in Österreich – meinem Heimatland – in Betrieb nehmen können, ist ein weiterer Meilenstein für neustark. Dank Partnerschaften wie mit Holcim skalieren wir unsere Lösungen und leisten einen greifbaren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele“, so der Gründer.
Laut Markus Schenkl, Geschäftsführer von Holcim Beton (Österreich), sollen die Betonwerke künftig die Ostregion Österreichs mit innovativen, voll funktionsfähigen und CO₂-reduzierten Betonprodukten versorgen.
Dauerhafte Speicherung des biogenen CO₂ gilt als Negativemission
Laut Holcim wird das CO₂ bei der Biogasanlage der EVM Energieversorgung Margarethen am Moos abgeschieden. Die neu installierte Anlage erreiche eine Jahreskapazität von 142 Tonnen CO₂, die im Beton gespeichert werden können.
Umgerechnet entspräche dies einer Speicherkapazität von 14.000 ausgewachsenen Bäumen. Die dauerhafte Speicherung dieses biogenen CO₂ wird als Negativemission gewertet, und die entsprechenden Zertifikate werden seitens neustark am freien Zertifikatemarkt angeboten.
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