Investorin Lisa Pallweber: “Wir gehen kalkulierte Risiken ein”

Lisa Pallweber ist eine der wenigen Frauen in Österreich, die gezeigt haben, wie man Karriere in der Investment-Branche machen kann. Ihr Werdegang führt von Raiffeisen Capital Management über Speedinvest und Uniqa Ventures bis zur Hans(wo)men Group, wo sie mittlerweile Geschäftsführerin der Beteiligungsstruktur von Österreichs erfolgreichstem Business Angel ist.
Trending Topics: Viele träumen davon, selbst mal Investor:in zu sein, weil man dabei sehr große, richtungsweisende Entscheidungen trifft. Wie glamourös ist das Investorinnenleben tatsächlich, bzw. wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?
Lisa Pallweber: Wahrscheinlich weniger glamourös, als man denkt, aber dafür sehr spannend und abwechslungsreich. Die Arbeit mit Startups teilt sich in zwei Bereiche: Zum einen geht es um Dealflow und Scouting: Ich treffe Gründer:innen und lerne ihre Companies kennen und evaluiere, ob sie zu uns und unserem Investment-Ansatz passen. Ich tausche mich auch regelmäßig mit Co-Investor:innen aus und teile spannende Companies mit ihnen.
Der andere Teil ist das Portfolio-Management: Hier arbeite ich mit unseren Gründer:innen an Strategie-Entwicklung, Go-to-Market, Sales, Hiring, Fundraising oder nehme an Board Meetings teil. In speziellen Fällen kümmere ich mich auch um Restrukturierungen oder Behebungen von Founder-Clashes.
Dann kommen noch strategische Themen für uns als Hans(wo)men Group hinzu, oder auch die Planung unserer Hans(wo)men Group Founder Meetings in Österreich und Spanien.
Wie bist du zum Investieren gekommen? Welche Karriereschritte waren notwendig, um schließlich Managing Partner bei der Hans(wo)men Group zu werden?
Ich habe die Matura am Humanistischen Gymnasium in Meran mit Schwerpunkt Sprachen und Philosophie gemacht, dann den Bachelor an der Bocconi University in Mailand mit Spezialisierung auf Finance. Ich war immer gut mit Zahlen und hatte großes Interesse zu verstehen, wie Wirtschaft und Unternehmen funktionieren.
In Wien habe ich dann während der Uni ein Internship bei Raiffeisen Capital Management gemacht und bin dort nach dem Uni-Abschluss fix eingestiegen. Ich hatte dort die Möglichkeit, mehrere Teams zu sehen und war dann im Global Aktien-Team, wo ich für einen Tech-Aktien-Fonds potentielle Target-Unternehmen recherchiert habe. 2017 bin ich dann zu Speedinvest. Speedinvest war damals noch sehr klein, mit etwa 20 Mitarbeiter:innen. Ich habe daher alles mitmachen können und am Anfang überall mitangepackt. Ich habe dort gelernt, Teams und Companies zu evaluieren, Captables zu bauen und Investor Relations zu machen. 2020 bin ich dann zu Uniqa Ventures. Dort habe ich dann meine ersten Deals geleitet, u.a. die von Telemedi und Impress.
Hansi Hansmann, den ich schon aus Speedinvest-Zeiten kenne, hat mich dann 2021 für seine Hans(wo)men Group abgeworben. Seit Jänner 2022 bin ich verantwortlich für unsere neuen Investments und manage einen großen Teil unseres Portfolios, seit April 2024 bin ich zudem Geschäftsführerin unserer Beteiligungsstruktur.
Welche Rolle spielten Mentor:innen in deiner Entwicklung als Investorin? Gibt es ein großes Vorbild aus der Branche?
Mentor:innen und auch Unterstützer:innen waren für mich immer unglaublich wichtig. Ich hatte das Glück, in jeder Firma mit sehr guten und erfahrenen Persönlichkeiten arbeiten zu dürfen, die sich für mich und meine Ausbildung Zeit genommen haben und ihr Wissen weitervermittelt haben. Hansi ist sicherlich mein erfahrenster und stärkster Mentor. Er hat nicht nur 15 Jahre Erfahrung im Angel Investment und Startup-Bereich, was ein großer fachlicher Vorteil ist, er hat vorher auch als Unternehmer mehrere Firmen selbst aufgebaut und geführt. Von ihm habe ich auch seine spezielle Art, Geschäfte & Deals zu machen gelernt. The Hansi way of doing business.
Welche Investition hat dir den größten Erfolg beschert und warum?
Feedback-Zyklen sind sehr lange in unserer Branche. Man weiß erst sehr spät, ob ein Investment wirklich finanziell erfolgreich ist, und dazwischen gibt es unzählige Nahtod-Erfahrungen und kontinuierliche Ups & Downs. Also zu früh, um das beantworten zu können.
Wie gehst du mit dem Druck und den Erwartungen um?
Ich sehe den Druck nicht per se negativ. In unserem Bereich muss man extrem flexibel im Kopf sein und sich mit ganz unterschiedlichen Themen in kurzer Zeit auseinandersetzen und sich immer wieder in neue Konzepte reindenken. Man braucht also eine gewisse Fähigkeit, Themen jonglieren zu können, aber muss gleichzeitig extrem entscheidungsfreudig sein und sich in recht kurzer Zeit eine Meinung über Dinge bilden.
Welche Rolle spielt Risikomanagement in deiner Strategie?
Risiko ist definitiv ein Thema, mit dem man sich im Bereich Risikokapital auseinandersetzen muss. Wenn wir investieren, gehen wir kalkulierte Risiken ein, da wir nie alle Informationen haben und unsere Entscheidungen basierend auf Hypothesen treffen. Daher muss ich stets abwägen, welches Risiko ich eingehen kann und welches ich vermeiden möchte.
Unsere Investments sind auch sehr stark diversifiziert, da wir als Generalist per Definition in viele unterschiedliche Branchen und Business Models investieren. Da Hansi auch schon lange vor mir investiert hat, haben wir ein Portfolio mit unterschiedlich reifen Startups, von Pre-Seed (sehr risikoreich) bis hin zu Series B+ Companies mit deutlich weniger Risiko. Geographisch sind wir relativ konzentriert, hier holen wir uns zusätzliche Diversifikation über das eine oder andere Fund Investment.
Wie hältst du dich über Markttrends und neue Investitionsmöglichkeiten auf dem Laufenden?
Ich höre gerne Podcasts, etwa BTM von Florian Gschwandtner oder den Doppelgänger Tech Talk. Der Austausch mit Kollegen, nicht nur im VC-Bereich, ist auch immer spannend.
Was sind die größten Herausforderungen, denen du als junge Investorin begegnest?
Die größte Herausforderung ist die Zeit. Die Feedback-Zyklen sind im Early-Stage-Bereich so lang, dass man erst nach zehn bis fünfzehn Jahren wirklich weiß, ob ein Investment erfolgreich war oder eben nicht.
Welche Vorteile siehst du in deinem Alter und deiner Perspektive als junge Investorin?
Ich glaube nicht, dass das Alter zwingend aussagekräftig ist, es ist vielmehr eine Einstellungssache. Ein großes Maß an Neugierde und Wissenshunger ist definitiv die Voraussetzung, um einen guten Job machen zu können, in jedem Alter.
Wie balancierst du deine Karriere als Investorin mit deinem Privatleben?
Für mich geht beides Hand in Hand. Ich liebe, was ich beruflich mache und trenne die beiden Welten daher auch nicht. Ich bin auch privat mit vielen Gründer:innen und Kolleg:innen befreundet und unterhalte mich immer gerne über Unternehmertum und Co.
Welche Trends siehst du, die die Investmentbranche in den nächsten Jahren prägen werden?
Ich glaube, alles rund um AI wird Grundlage für Innovation in allen Branchen sein. Ich selber freue mich, die Entwicklung im Bildungsbereich, im Gesundheitswesen und im Bereich Nachhaltigkeit zu verfolgen.
Welchen Rat würdest du anderen jungen Menschen geben, die eine Karriere im Investmentbereich anstreben?
Gerade in der VC-Welt können die Backgrounds sehr unterschiedlich sein: Manche kommen klassisch aus Investmentbanking oder Beratung, andere haben vorher selbst gegründet oder waren in einem Startup tätig. Viele Wege führen zum Ziel. Wichtig ist es, viele Bereiche auszuprobieren, um besser herausfinden zu können, wo die eigene Leidenschaft und das Interesse am größten ist. Und: Man muss immer neugierig bleiben und sich weiterentwickeln. Sich mit spannenden Leuten umgeben und das eigene Netzwerk aufzubauen ist sicherlich auch hilfreich, daraus ergeben sich sehr oft Möglichkeiten.
Dieses Interview ist bereits im Trending Topics-Magazin „Founders Guide 2025“ erschienen. Das Magazin bekommst du hier kostenlos.