Siemens macht Skeleton Technologies zum Unicorn
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Wer KI-Rechenzentren baut, braucht Stoßdämpfer für den Strom, und Siemens hat sich soeben einen der wichtigsten Hersteller dafür gesichert: Der Münchner Technologiekonzern führt eine neue Finanzierungsrunde bei Skeleton Technologies an. Das estnische Energiespeicher-Unternehmen wird dabei mit mehr als einer Milliarde Dollar (rund 855 Millionen Euro) bewertet und ist damit offiziell ein Unicorn. Die Summe nennt Skeleton nicht, CEO Taavi Madiberk spricht in einer Aussendung von einer „neunstelligen Investitionsrunde“, also mindestens 100 Millionen Dollar (rund 85 Millionen Euro).
Für Skeleton ist es der zweite große Schritt binnen weniger Monate. Erst im Mai hatte das Unternehmen den ersten Abschluss einer Runde über 33 Millionen Euro gemeldet und einen Börsengang in den USA für 2027 angekündigt (Trending Topics berichtete). Damals kamen Axon Partners Group, SmartCap und Taiwania Capital an Bord, das gesamte Venture Capital stieg auf 392 Millionen Euro.
Exklusiver Vertrieb über Siemens
Herzstück des Deals ist eine exklusive Partnerschaft: Siemens erhält die weltweiten Exklusivrechte, die Produkte von Skeleton im Rechenzentrumsmarkt zu verkaufen und zu skalieren, wie der Konzern in einer Pressemitteilung erklärt. Die Superkondensatoren der Est:innen sollen in das Siemens-Portfolio für elektrische Infrastruktur wandern, das damit vom Netzanschluss bis zum KI-Rack reicht. Laut Siemens setzen bereits neun der zehn größten Rechenzentrumsbetreiber der Welt auf den Konzern.
Ganz neu ist die Beziehung nicht. Siemens arbeitet seit 2022 als Technologiepartner mit Skeleton zusammen und ist seit 2023 als Investor beteiligt. Siemens Digital Industries hat außerdem die SuperFactory von Skeleton im sächsischen Markranstädt bei Leipzig geplant und automatisiert. Die Transaktionen stehen noch unter dem Vorbehalt der üblichen Abschlussbedingungen.
„Der Wettlauf um die Skalierung von KI entwickelt sich zunehmend zu einem Wettlauf um Energie“, sagt Peter Koerte, Vorstandsmitglied der Siemens AG und Chef von Smart Infrastructure. Betreiber bräuchten Lösungen, um ihre Kapazität zu erweitern, ohne jahrelang auf neue Netz- und Anlageninfrastruktur zu warten.
Warum GPUs Stoßdämpfer brauchen
Das Problem, das Skeleton lösen will, entsteht im Millisekundentakt. Tausende GPUs in einem KI-Cluster arbeiten im Gleichschritt und wechseln gleichzeitig zwischen Leerlauf und Volllast. Laut Siemens summieren sich diese Schwankungen binnen Sekunden zu Lastsprüngen im Megawattbereich, die Anlagen und Stromnetz belasten. Skeletons Superkondensatoren auf Basis des firmeneigenen Materials „Curved Graphene“ fangen diese Spitzen nah an der Hardware ab. Das Unternehmen verspricht bis zu 40 Prozent Energieersparnis und zweistellige Leistungssteigerungen bei den GPUs.
Madiberk formuliert es selbstbewusst: „In der KI-Infrastruktur werden Superkondensatoren zu den neuen Halbleitern.“ Entscheidend sei, wie viel Rechenleistung man aus jeder GPU und jedem verfügbaren Megawatt herausholt. Sein erklärtes Ziel: der weltweit größte Anbieter von Stromversorgungssystemen für den Serverbereich von KI-Rechenzentren zu werden.
Der Markt dafür wächst rasant. Skeleton verweist auf Zahlen der Internationalen Energieagentur, wonach sich der Stromverbrauch von Rechenzentren weltweit von rund 485 Terawattstunden im Vorjahr auf 950 Terawattstunden im Jahr 2030 fast verdoppeln soll. In den USA dürften Rechenzentren rund die Hälfte des Nachfragewachstums beim Strom ausmachen, was dort bereits den Bau neuer Gaskraftwerke antreibt.
Mehr als 200 Millionen Dollar für die USA
Das frische Geld fließt vor allem in die USA, wo die großen Hyperscaler sitzen. Skeleton will mehr als 200 Millionen Dollar (rund 171 Millionen Euro) in den Ausbau der Produktion und in Forschung und Entwicklung im Silicon Valley stecken. Geplant ist auch eine eigene Zellfertigung in den USA, damit Skeleton dort die gesamte Wertschöpfungskette von der Zelle bis zum fertigen System abdeckt. Wo und wann die US-Zellproduktion startet, ist allerdings noch offen.
Bisher produziert das 2009 von Taavi Madiberk und Oliver Ahlberg gegründete Unternehmen Superkondensatoren in Sachsen und betreibt eine SuperBattery-Fabrik in Finnland. Ob der für 2027 angepeilte US-Börsengang mit der neuen Bewertung näher rückt, verrät Skeleton nicht.
Die Konkurrenz
Mit Superkondensatoren gegen KI-Lastspitzen ist Skeleton längst nicht allein:
- Eaton: Der US-Stromspezialist verkauft mit dem XLHV eine Superkondensator-Bank in der Größe einer einzelnen Rack-Einheit, die bis zu 420 Kilowatt liefern kann und bereits in Rechenzentren im Einsatz ist.
- Siemens Energy: Der 2020 abgespaltene Energietechnik-Konzern bietet mit E-statcom eine Superkondensator-Anlage für ganze Rechenzentren an, die bis zu 75 Megawatt pro Einheit abfedern soll.
- Delta Electronics: Der taiwanesische Netzteilhersteller setzt auf ein eigenes Kondensator-Shelf für Server-Racks.
- Nvidia: Der Chipriese hat gemeinsam mit LITEON bereits in seine GB300-NVL72-Systeme Energiespeicher zur Glättung der Lastspitzen direkt im Rack eingebaut.
Mit Siemens als exklusivem Vertriebspartner verschafft sich Skeleton nun allerdings Zugang zu genau jenen Hyperscalern, die diese Lösungen in großem Stil einkaufen.

